Stadt Mahlberg

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    Lage und Geschichte

    Östlich von Mahlberg an der Bundesstraße 3 fließt eine Quelle die wegen ihrer Lage an der alten Römerstraße schon sehr früh gefasst wurde. Es entspricht römischer Tradition, das Wasser sowohl zum Trinken, als auch zum Baden zu nutzen. Sicher ist, dass seit etwa 1250 das Wasser von dieser Quelle zu den Brunnen nach Kippenheim und Mahlberg in hölzernen Deichelleitungen geleitet wurde.

    In Mahlberg war an dieser Quelle neben zwei weiteren Laufbrunnen auch der Lutterbrunnen das Lauter- oder Lutterbad angeschlossen.  Wahrscheinlich hatte man schon frühzeitig von der Heilwirkung dieser Quelle gewusst. Doch wir wissen davon erst seit 1560, als Dr. med. Georgius Pictorius – alias Georg Maler – aus Villingen sein „Badenfahrtbüchlein“ herausbrachte. Er berichtet darin über 38 Bäder im Dreiländereck Baden-Elsass-Schweiz und schrieb: „Ein wenig landab, unweit von Molberg im Kippenheimer Bann des Straßburger Bistums, liegt ein Bad mit dem Namen Lutterbad.“ 

    historisches Bild
    Historisches Bild

    Nur wenig später im Jahr 1571 beschäftigte sich der in Überlingen geborene Gallus Eschenreutter erneut mit 22 Bäder am südlichen Oberrhein in seinem Buch „Alle heilsamen Bäder und Brunnen die durch ihre heilsamen Wirkung der Natur, Kraft und Tugend in Deutschland bekannt sind.“ Hierzu zählt er auch das „Lutterbad“ zu Mahlberg. Ihm folgte 1578 eine Beschreibung vom pfälzischen Arzt Ruland, der unter den 82 Bädern in Deutschland auch das Lutterbad in Mahlberg erwähnt. Danach brach der 30-jährige Krieg aus, der von 1618 bis 1648 dauerte. Schon 1677 folgte dann der Orlèanisch-Pfälzische Krieg, in dem ganz Mahlberg von den Franzosen abgebrannt wurde. Beide Kriege hinterließen für immer Spuren der Verwüstung und den wahrscheinlichen Untergang des Lutterbads. Danach geriet es mehr und mehr in Vergessenheit. Bis dann fast 90 Jahre später der Mahlberger Landesphysikus Krapf 1766 im Auftrag der badisch-markgräflichen Landesherrschaft das Wasser vom Lutterbrunnen genauer untersuchte. Danach meinte er: „Allein aus dem Ergebnis lasse sich die Heilkraft des Lutterbads erklären.

    Es sei nicht zu zweifeln, dass sobald hier eine Gelegenheit zum Baden gegeben wird, aus dem ganzen Revier hier herum und vornehmlich aus dem Elsass wegen der schönen Gegend und der bequemen Lage des Bades an der Landstraße, es einen großen Zulauf geben werde. Damit könnte es der gnädigen Herrschaft in Mahlberg und den Kippenheimer Wirten, Bäckern, Metzgern und anderen, sowie dem ganzen Land sehr <profitabel> sein.“ Krapf versuchte auch zu ergründen, wo das Lutterbad gestanden haben mag. Er kam zu der Feststellung, dass das Bad vor vielen Jahren am Lutterbrunnen gestanden ist. „Denn man komme dort auf dem Heiligen- oder Herrschaftsacker bei tieferem Pflügen noch auf steinerne Fundamente und habe kürzlich auch noch einige Deicheln gefunden, durch welche das Wasser vor langer Zeit geleitet worden sein muss.“

    Doch der Wunsch von Krapf und der Bevölkerung das Lutterbad wieder zu errichten, ging leider nicht in Erfüllung.  Erst als im Jahr 1972 in der Nähe der Brunnenstube des „Lutterbrunnens“ (heute Kindlesbrunnen genannt) eine Wasserleitung aus Deicheln ausgebaggert wurde, hat dieser Fund die Aufmerksamkeit der Archäologen hervorgerufen. Am Ende der Leitung wurde ein Holztrog vom Lutterbrunnen und unweit davon ein rundes Sickerfundament mit viel Holzkohle freigelegt. Das Lutterbad war wieder entdeckt. Doch es dauerte noch weitere 30 Jahre bevor man die Entdeckung endgültig beweisen konnte. Erst im Jahr 2002 wurde im Generallandesarchiv Karlsruhe ein Topographischer Plan aus dem Jahr 1784 gefunden, in dem die Kuranlage und der Grundriss,-an der von Krapf vermuteten Stelle- eingetragen war.

    Das Heilwasser

    Dr. Georgius Pictorius, seit 1540 oberster Sanitätsbeamter der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim im Elsass, hat neben der Lage auch die Zusammensetzung und Wirkung des Heilwassers der Bäder in der Region beschrieben. Hierzu meinte er: „Oft findet man in den Mineralquellen kleine Stückchen Schwefel oder etwas Alaun (Kalium), Gold, Kupfer oder Salpeter (Salze), welche gleich nach dem Geschmack oder sonstiger Untersuchung Auskunft geben. Man kann auch durch das Gewicht Auskünfte über die Zusammensetzung erhalte. Schließlich trägt zu solchen Kenntnissen auch die Erfahrung durch langen Umgang mit dem Wasser bei.“ Zwar hat Dr. Pictorius für das Heilwasser vom Lutterbad keine spezielle Untersuchung angegeben, doch zu seiner Wirkung schreibt er: „Es hat auch die oben beschriebene Wirkung und Nutzen <Kräftigung und Wiederherstellung der abgearbeiteten Glieder> und wird auch gegen Räude (Krätze) und Grind (Schorf), aber auch zur Befeuchtung der Nerven (Nervenkrankheit) benutzt.“

    Bessere Nachricht über das Lutter-Heilwasser und seine Wirkung haben wir von dem Mahlberger Landesphysikus Krapf aus dem Jahr 1766. Er schreibt dazu: „In 1,5 Liter Wasser sind 14,4 g Terra-Erde mit Mineralien enthalten, welche nachdem sie sich abgesetzt haben einen angenehmen balsamischen Geruch verbreiten und etwas nach Schwefel riechen.“ Dann weist er auf eine Chronik des Badens aus dem 16. Jh. hin, die unter anderem eine besondere Wirkung der Heilung verzeichne: „Damals gab es eine Frau, welche zwei Jahre lang die Krücken gebrauchen musste und nach vierzehntägigem Gebrauch des Bades wieder ohne Krücken gehen konnte. Weiter meinte er: „Auch werde das Wasser hin und wieder, bisweilen auch zwei bis dreimal täglich, in die Gegend abgeführt. Dies besonders in Ortschaften der Herrschaft Lahr, wo viele von der trefflichen Wirkung dieses Wassers wissen und daher mit Schmerzen auf eine Gelegenheit zum Baden warten.“ Nach heutiger Kenntnis hat das Heilwasser der Quelle die das Bad speiste, folgende Zusammensetzung in mg/l: Calcium = 125; Magnesium = 22,5; Natrium = 6; Kalium = 0,2; Hydrogen Carbonat = 354; Sulfat = 33; Fluorid = 0,11.

    Die Badekur

    Es gab im Mittelalter drei Arten von Bäder; nämlich das Heißluftbad, das Dampfbad nach der römisch-irischen Tradition und schließlich die Wasserbäder aller Art. Sie unterscheiden sich nach Wasser ohne Mineralien, oft mit Kräutern und Milchzusätzen gemischt, sowie nach Wasser mit natürlichen Mineralien. Zu den letzteren zählte das Mahlberger Lutterbad. Man hat sich in diesen Bädern vorzustellen, dass die Badekuren oft über Tage, ja sogar Wochen dauerten. Dabei verbrachten die Kurgäste oft Stunden in dem in den Badestuben erwärmten Wasser. Damit sie das Wasser nicht verlassen mussten, wurde ihnen sogar oft das Essen auf einem Brett über dem Badezuber in dem Sie saßen serviert. Selten war ein Badearzt im Bad anwesend, vielmehr führte der „Bader“ seine Funktion aus. Er hatte die Badeaufsicht und überwachte die Baderegeln und Badeordnung. Die Badeknechte dagegen sorgte für das Holz zum erwärmen des Raums und die Holzkohle zum erwärmen des Wassers, das in einer Röhre durch einen Ofen lief, oder in einem Kessel erwärmt wurde. Ferner mussten die Badeknechte die Kurgäste massieren, salben und gelegentlich auch schröpfen.